Auftaktveranstaltung am 6. Oktober 2015

im Kreishaus des Landkreises Teltow-Fläming

Kreisübergreifendes Projekt zur Förderung der beruflichen Integration von Flüchtlingen gestartet

Luckenwalde • Die beiden Schirm-„Herren“ des in den Landkreisen Teltow-Fläming und Potsdam-Mittelmark wirkenden Projekts, Landrätin Kornelia Wehlan und Landrat Wolfgang Blasig, mussten zur Flüchtlings-Krisensitzung in Potsdam. So übernahmen kurzfristig stellvertretend Dezernent Detlef Gärtner (TF) und der 1. Beigeordnete Christian Stein (PM) die Begrüßung bei der Auftaktveranstaltung des Projekts „Brandenburg - Deine Chance“.

  

Unter den zahlreichen Gästen befand sich auch die Integrationsbeauftragte des Landes Brandenburg Dr. Doris Lemmermeier. Als Situation, die uns in den nächsten Jahren beschäftigen wird, umriss Detlef Gärtner die aktuelle Lage. Wir müssen einen „Weg finden für Menschen, die hier bleiben dürfen und sie Teil unserer Gesellschaft werden lassen“. Auch Christian Stein beklagt die erforderlichen kurzfristigen Entscheidungen bezüglich der Unterbringung von Flüchtenden und lobt diese Initiative als richtigen Weg.

Projektleiter Holger Lehmann vom Diakonischen Werk Teltow-Fläming stellt das Projekt im Detail vor. Gemeinsam mit dem Ausbildungsverbund Teltow e. V. (AVT) der Industrie- und Handelskammer Potsdam und der Kreishandwerkerschaft Teltow-Fläming sollen Flüchtlinge bei der beruflichen Integration unterstützt werden. Diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe wird durch viele weitere Partner in beiden Landkreisen getragen.

Die Laufzeit vom Juli 2015 bis Juni 2019 soll für eine nachhaltige Wirkung sorgen. Zahlreiche Erfahrungen aus der Integration von Spätaussiedlern Mitte der 90er Jahre fließen in das Projekt ein. Wesentlich ist für Holger Lehmann, dass auch weiter hier beheimatete Menschen mit und ohne Migrationshintergrund gefördert werden.

Mit im Boot sind die beiden Jobcenter und die Agentur für Arbeit Potsdam. Deren operativer Geschäftsführer Manfred Pollnow bestätigt, dass wir Zuwanderung benötigen, um alle Arbeitsplätze zu besetzen. Er drängt auf Beschleunigung der Asylverfahren, die bis Jahresende zu schaffenden 1000 zusätzlichen Stellen im  Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und weitere 2000 im nächsten Jahr werden dringend benötigt. Nach der Entscheidung sollten Flüchtlinge schnell in Beruf und Ausbildung gebracht werden, statt lange in SGB II-Leistungen zu verbleiben. Sandra Leffler (TF) und Marko Wilke (PM) werden als Koordinatoren der Agentur tätig sein.

Erforderlich sind Integrationsbegleiter, denn die Zuwanderer sind oft hoch motiviert, doch die Sprache und die mangelnde Qualifikation sind häufig Hindernisse. Die Zahl der Sprachkurse reicht bei weitem nicht aus, auch die Unkenntnis über das deutsche Bildungssystem und Unterschiede der Kulturen bedürfen weiterer Aufklärung. Die Erfahrungsberichte von Pierre Aflatoun aus Syrien und Ibraheem Alrihaymee aus Libyen sprechen hier leider eine deutliche Sprache. Beide sind seit drei Jahren in Deutschland und haben trotz umfangreicher Bemühungen bis heute keinen Arbeitsvertrag in der Tasche. Gut integriert sind dagegen ihre Kinder, die das Luckenwalder Gymnasium besuchen.

Michael Burg von der Handwerkskammer Potsdam bekräftigt die positive Haltung der Wirtschaft und des Handwerks zur Integration. Doch dabei ist Unterstützung nötig, statt akademischer Diskussionen sind praktische Lösungen angesagt, der Spracherwerb muss als Grundlage dienen. Zur Potenzialermittlung und Anerkennung von Qualifikationen sollen die Lehrbauhöfe in Jüterbog und in Götz einbezogen werden. Doch auch das Ehrenamt und die Corporate Social Responsibility (CSR) in den Unternehmen sind gefordert.

Bereits 127 Interessenten aus Asylbewerberheimen haben den Erstaufnahmebogen für das Projekt ausgefüllt. Neben dem Schwerpunkt Syrien stammen die Flüchtlinge aus  Eritrea, Pakistan, Somalia, Kamerun und weiteren Ländern. Für insgesamt 450 Teilnehmer wurden die Kosten kalkuliert, in diesem Jahr sollen 60 einsteigen. Die Integrationsbegleiter Karsten Stolze (Diakonie), Ute Frank (AVT) und Brita Krüger (KHS) stellten die ersten Ergebnisse vor.

     

Um verschiedene Berufe kennenzulernen und Fähigkeiten zu erproben, werden Schnupperkurse angeboten. So konnten beispielsweise acht Teilnehmer aus dem Heim Großbeeren an einem zweiwöchigen Kurs als Koch beim AVT teilnehmen. Bei der Verständigung wurde sich gegenseitig geholfen, individuelle Ziele wurden abgesteckt. Teilnehmer aus Jüterbog probieren sich am Lehrbauhof in handwerklichen Berufen, besonders gefragt ist der „Painter“. Ansonsten werden Elemente nach Mustern oder Zeichnungen nachgebaut, erfolgreich läuft auch die Fahrradwerkstatt.

Auch externe Angebote verschiedener Partner werden eingebunden, im weiteren Verlauf stehen praxisdominiertes Sprachtraining und berufliches Kurzpraktikum in Betrieben auf dem Programm. Jeder Teilnehmer verbleibt bis zu 18 Monate im Projekt und wird individuell durch Ausbilder, Sprachmittler und Deutschlehrer begleitet. Die absolvierten Projektbausteine finden Eingang in die persönliche Eingliederungs-Vereinbarung.

Gerald Bornschein